Micron Document
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Entenga
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Entenga (Luganda), auch nakawombe, ist eine Reihe von 15 gestimmten Kesseltrommeln mit einem zylindrisch-konischen Holzkorpus, die seit ihrer EinfĂŒhrung im 18. Jahrhundert bis 1966 in Uganda von sechs Musikern in der Zeremonialmusik der bugandischen Könige gespielt wurden und wegen der Auflösung der KönigtĂŒmer danach praktisch verschwanden. Die Spieltradition wurde aufgrund einer Initiative 2013 wiederbelebt. Die als Rhythmus- und Melodieinstrument eingesetzten entenga-Trommeln bestehen aus zwölf von vier Musikern gespielten Melodietrommeln, einer kleinen Rhythmustrommel (entemyo) und zwei von einem weiteren Musiker gespielten großen Rhythmustrommeln (kyawakati und nakawombe).

Die entenga-Trommelreihe hat afrikanische Parallelen in Uganda, Malawi und Nigeria und wird unter dem Oberbegriff „Trommelspiel“ (englisch drum chime, „klingende Trommeln“) mit zwei melodisch verwendeten TrommelsĂ€tzen in Asien verglichen: dem Trommelkreis hsaing waing in Myanmar und der Reihe von fĂŒnf Trommeln taganing bei den Batak in Sumatra. Allen gemeinsam ist die hauptsĂ€chliche Verwendung in der rituellen Musik und eine musikalische Beziehung zu den regionalen Xylophonen. Hiervon unterscheidet sich der selten in der klassischen indischen Musik gespielte Trommelkreis tabla tarang.

Contents

‱ Herkunft
‱ Bauform
‱ Spielweise
‱ Uganda
‱ Äthiopien
‱ Malawi
‱ Nigeria
‱ Myanmar
‱ Sumatra
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Herkunft

Der entwicklungsgeschichtliche Ausgangspunkt, um Rhythmen zu erzeugen, waren SchlĂ€ge mit den HĂ€nden gegen den Körper und Stampfen mit den FĂŒĂŸen auf den Boden. Die Ă€lteste Möglichkeit, die so erzeugten Schallereignisse zu verstĂ€rken, waren Idiophone, gegeneinander geschlagene StĂ€be fĂŒr einzelne Schlagfolgen oder geschĂŒttelte Rasseln, um GerĂ€usche zu erzeugen. Das Fußstampfen ließ sich durch die EinfĂŒhrung von zunĂ€chst Stampfbrettern und spĂ€ter den in Afrika weit verbreiteten Schlitztrommeln klanglich verbessern. Die spĂ€tere Entwicklung der Membranophone geht vom gedachten Ursprung der Erdtrommel aus zur Erfindung transportabler Trommeln, die nicht mehr nur mit den HĂ€nden, sondern auch mit Stöcken geschlagen wurden.

Die beiden hauptsĂ€chlichen Typen von großen Trommeln sind zum einen Röhrentrommeln, die in ihrer natĂŒrlichen Form zylindrisch sind und einen Korpus aus Holz besitzen, weil sie wie Schlitztrommeln aus einem Baumstamm ausgehöhlt werden. FĂŒr den anderen Typ der Kesseltrommeln ist das charakteristische primĂ€re Material Ton, aus dem sich am einfachsten eine Schale formen lĂ€sst.cite-ref-1[1] Die zunĂ€chst von einem Baumstamm gerade abgesĂ€gten Trommeln wurden irgendwann in ihrer GrĂ¶ĂŸe soweit reduziert, dass sie schrĂ€g oder senkrecht aufgestellt und von einem Musiker im Stehen gespielt werden können. Ihrer LĂ€nge wegen schrĂ€g auf den Boden gestellt wird etwa die lange hölzerne Zylindertrommel (igba, nkwa, ogwe) der Igbo in Nigeria.cite-ref-2[2] Eine Weiterentwicklung ist es, an der Unterseite drei oder vier FĂŒĂŸe herauszuschlagen, damit die Trommel auf einem weichen unebenen Boden besser steht. Trommeln mit derartigen „ZĂ€hnen“ sind aus nahezu ganz Afrika bekannt.

Die Formen afrikanischer Trommeln lassen sich bestimmten Verbreitungsregionen zuordnen. So sind etwa Sanduhrtrommeln mit gegeneinander verspannten Membranen von variabler Tonhöhe zusammen mit Doppelglocken (wie der gankogui) ein Charakteristikum fĂŒr die Musik der westafrikanischen KĂŒste bis nach Nigeria,cite-ref-3[3] wĂ€hrend fĂŒr ostafrikanische stehende Holztrommeln anstelle der FĂŒĂŸe die zylindrisch-konische Form mit einer kleinen kreisförmigen StandflĂ€che typisch ist.cite-ref-4[4] Hierzu gehört die entenga. Eine solche kleine StandflĂ€che besitzen neben dem ugandischen Trommeltyp auch Bechertrommeln mit einem langen schlanken Fuß.

Von diesen Trommeltypen werden Kesseltrommelpaare unterschieden, die von der arabischen naqqara abstammen und mit der islamischen Kultur zu den muslimischen Herrscherhöfen in der Sudanregion kamen.cite-ref-5[5]

Angesichts der zahlreichen Formvarianten und Mischformen innerhalb der drei großen Gruppen Kesseltrommeln, einfellige und zweifellige Röhrentrommeln verwendet Bernhard Ankermann (1901) anstelle der Korpusform die Art der Membranbefestigung als das charakteristische Merkmal zur Klassifizierung der afrikanischen Trommeltypen. Die entenga mit ihrer Schnurspannung lĂ€ngs bis zur Unterseite des Korpus steht damit in einer Gruppe (3.a) mit Sanduhrtrommeln, Zylindertrommeln und kegelstumpfförmigen Trommeln. Die anderen Methoden der Membranbefestigung sind in die Korpuswand eingeschlagene Holzpflöcke, mit Keilen gespannte Ringe aus Pflanzenfasern und nur selten bei kleineren Trommeln eine am Rand aufgeklebte Membran.cite-ref-6[6] FĂŒr letztere Methode gibt es fĂŒr Uganda einen fotografischen Beleg einer auf drei Beinen stehenden Holztrommel vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Aus derselben Zeit ist ein Exemplar einer Trommel aus Busoga erhalten, deren Membran an einem mittigen Ring verschnĂŒrt ist. FĂŒr die große Mehrheit der ugandischen einfelligen Trommeln verbleibt die Fixierung der Membran an Pflöcken.

Die Korpusform ugandischer Trommeln variiert zwischen den Extremen: der schlanken Zylindertrommel fumbo der Adhola (Jopadhola) im östlichen Distrikt Tororo mit 16 Zentimetern Durchmesser und einer LĂ€nge von 105 Zentimetern, und der ntimbo der Banyoro in Westuganda mit einem flachen schalenförmigen Korpus. Zahlreiche weitere einfellige Trommeltypen existieren mit Korpusformen dazwischen.cite-ref-7[7] Fumbo und ntimbo sind Zeremonialtrommeln. Die bedeutendste Zeremonialtrommel in Uganda war die auf einer Ssese-Insel aufbewahrte Bechertrommel timba mit figĂŒrlichem Schnitzwerk des Kabaka von Buganda.cite-ref-8[8] In Buganda und in anderen Regionen ist die schlanke, sich nach unten verjĂŒngende Röhrentrommel engalabi die am hĂ€ufigsten verwendete Trommel fĂŒr festliche und zeremonielle AnlĂ€sse. Die 90 bis 12 Zentimeter lange engalabi wird in senkrechter Position oder schrĂ€g zwischen den Beinen gespielt.cite-ref-9[9]

Die Zeremonialtrommel am Hof von Buganda, timba (Luganda fĂŒr „Python“), heißt so, weil das Relief einer Schlange auf ihren Korpus geschnitzt ist. Sie wurde nur von Heilern bei mit Schlangen in Verbindung stehenden Besessenheitsritualen eingesetzt.cite-ref-10[10] Nach der Überlieferung wurde sie Anfang des 16. Jahrhunderts eingefĂŒhrt. Kaum weniger hat sich die mĂŒndliche Überlieferung mit der entenga beschĂ€ftigt. Der bugandische Politiker und Ethnograph Apolo Kaggwa hielt im Jahr 1908 erstmals ausfĂŒhrlich die Überlieferung zur Herkunft der entenga schriftlich fest. Zur Geschichte des Lugave-Clans (einer der fĂŒnf ursprĂŒnglichen Clans des Königreichs Buganda) schreibt er auf Luganda ĂŒber die entenga:

Einst trafen sich im Kyagwe County (im Distrikt Mukono) vier junge MĂ€nner, die jeder fĂŒr sich das Spiel der entenga erlernten. Als sie dieses beherrschten, begleiteten sie als Musiker zunĂ€chst Mmunyi, der Heilerpriester des Besessenheitskults um den unsterblichen Geist (auch Kriegsgott) Nende im nahegelegenen Ort Bukeerere war. Nende, der dort an seinem Heiligtum verehrt wurde,cite-ref-11[11] lernte so die vier Trommler kennen, die fortan in seinen Diensten spielten. Eines Tages begleiteten sie Nende zum königlichen Palast, wo Kabaka Kyabagu den Klang der entenga hörte. Davon angetan nahm der die Trommeln Nende weg und behielt sie fĂŒr sich. Den vier Musikern schenkte er ein Dorf und machte sie reich. Weitere Trommeln kamen spĂ€ter hinzu, aber der Trommelsatz verblieb im Besitz des Kabaka. Kyabagu ließ die Musiker regelmĂ€ĂŸig vorspielen und gab ihnen als Dank fĂŒr seine WertschĂ€tzung außerdem einen kawawa genannten Speer, der zum Schutz der Trommeln immer in deren Mitte in den Boden gesteckt werden sollte.

Die ErzĂ€hlung enthĂ€lt noch weitere Details und etliche Eigennamen von handelnden Personen, um die Bedeutung der Geschehnisse plastisch zu machen. Mmunyi, der als erster Bewahrer der Trommeln erscheint, verkörpert den Geist Nende. Hinzu kommt der Titel Kajugujwe fĂŒr das Oberhaupt des örtlichen Butiko-Clans (Pilz-Totem-Clan), eine Position, die Mmunyi innehatte. Kajuguwe und Nende waren einst die Namen realer Menschen. Von Nende wird gesagt, dass er Lusoga sprach und ein Musoga war (Singular Musoga, Angehöriger des Königreichs Busoga). In Busoga glaubt man entsprechend, dass die entenga von dort nach Buganda gebracht wurde.cite-ref-12[12]

Die Ankunft dieser namentlich erwĂ€hnten Personen verankert die entenga in der eigenen Tradition des Königreichs Buganda. Den Namen Kajuguwe sollen einst die Nachkommen eines gewissen Kawere ĂŒbernommen haben, der ein Jahrhundert vor den geschilderten Ereignissen um die Trommeln angeblich aus einem weiter im Westen von Buganda gelegenen Gebiet herkam. Am Ufer des Victoriasees traf dieser Kawere auf drei furchterregend aussehende Gestalten, die ihm jedoch erklĂ€rten, friedfertig zu sein und zum Kabaka (auf eine Ssese-Insel) zu wollen. Einer der drei fremden MĂ€nner war Nende, der als Mensch gegen Ende des 17. Jahrhunderts gelebt haben soll. Der spĂ€tere Geist Nende beschĂŒtzte das Reich in seiner Eigenschaft als Kriegsgott und machte den Kabaka mit den entenga-Trommeln vertraut. Die ĂŒber den Namen Kajugujwe hergestellte Verbindung zum Butiko-Clan verlegt den Ursprung der Trommeln in ein zentrales Gebiet von Buganda, wo dieser Clan zuvor siedelte. Dem Butiko-Clan wird auch die Urheberschaft anderer musikalischer AktivitĂ€ten zugeschrieben, darunter des von Trommeln und Gesang begleiteten bugandischen Königstanzes amaggunju.cite-ref-13[13] Traditionell haben die Spielpraxis der Ende des 16. Jahrhunderts eingefĂŒhrten amaggunju-Trommeln und der entenga-Trommeln einiges gemeinsam.

FĂŒr die Dauer seiner von 1750 bis 1780 wĂ€hrenden Herrschaft gab es Spannungen zwischen Kabaka Kyabagu und seinen Untergebenen, er starb bei der Rebellion der Prinzen. Dass Kyabagu persönlich an Musik und an den entenga interessiert war, geht aus mehreren Liedern hervor, die Anekdoten aus seinem Leben und von seinen problematischen politischen Entscheidungen erzĂ€hlen. Neben den Akteuren, die fĂŒr die Etablierung der entenga verantwortlich waren, lĂ€sst sich den ErzĂ€hlungen auch entnehmen, dass die amaggunju-Trommeln bereits vor den entenga bekannt waren, die wahrscheinlich unter Kabaka Kyabaggu in der zweiten HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts in die höfische Musik aufgenommen wurden. Dass die Musiktradition von Buganda auch anderweitig Neuerungen aufgeschlossen war, macht die EinfĂŒhrung der ĂŒber arabische HĂ€ndler nach Uganda gelangten Röhrenspießgeige endingidi Anfang des 20. Jahrhunderts deutlich.cite-ref-14[14]

Das Verbreitungsgebiet der Trommelspiele in Uganda nach Klaus Wachsmann (1965) ist der Osten des Königreichs Buganda (mit dem Distrikt Mukono), das östlich angrenzende Königreich Busoga, Bugwere (Gebiet der Bagwere) und das Gebiet der Langi in der nördlichen Mitte des Landes.cite-ref-15[15]

Bauform

Konstruktiv ist eine entenga eine zweifellige Röhrentrommel mit einer zylindrisch-konischen Korpusform. Etwa die HĂ€lfte des hölzernen Korpus entspricht dem zylindrischen Baumstamm wĂ€hrend die untere HĂ€lfte bis auf eine kleine kreisrunde AufstellflĂ€che verjĂŒngt ist. Die untere Öffnung ist wie die obere mit einer Rindshaut ĂŒberdeckt und dient dazu, die Trommelmembran mit einer Vielzahl enger verdrehter Hautstreifen gegen die Unterseite zu verspannen. Akustisch und funktionell entspricht die senkrecht aufgestellte entenga einer Kesseltrommel, weshalb sich eine Klassifizierung als „Uganda-Kesseltrommel“ durchgesetzt hat.

Die V-förmige VerschnĂŒrung ist so dicht, dass die Hautstreifen praktisch parallel verlaufen und die gesamte KorpusoberflĂ€che bedecken. FĂŒr eine mittelgroße Trommel werden rund 90 Meter Hautstreifen benötigt, die etwa 150 V-VerschnĂŒrungen ergeben. Falls nach lĂ€ngerem Nichtgebrauch die Membranspannung nachgelassen hat, können provisorisch Keile unter die VerschnĂŒrung geschoben werden. Bei anderen Trommeln werden solche Keile standardmĂ€ĂŸig verwendet, um den Ton zu erhöhen. FĂŒr eine generelle stĂ€rkere Spannung der Membran schlĂ€gt der Musiker mit einem SchlĂ€gel direkt neben dem Rand der Membran in einer AbwĂ€rtsbewegung gegen die VerschnĂŒrung. Ist die Membranspannung zu stark, drĂŒckt er mit der Faust stark auf die Mitte der Membran.

Ein Satz entenga-Trommeln besteht aus 15 Instrumenten unterschiedlicher GrĂ¶ĂŸe, von denen 12 entsprechend ihrer Tonhöhe in einer Reihe stehen und zur Melodiebildung gespielt werden. Diese 12 Trommeln sind mit Rindshautstreifen an einer waagrechten Stange festgebunden, die an beiden Enden an in den Boden gesteckten Pfosten befestigt ist, so die Beobachtung von Klaus Wachsmann 1945 und von Lois Ann Anderson 1964–66. Jeweils zwei der Melodietrommeln waren damals miteinander verbunden. Heute wird auch ein Holzgestell mit einem quadratischen Abteil fĂŒr jede einzelne Trommel verwendet. Die hineingestellten Trommeln sind wie die frĂŒher angebundenen Trommeln leicht schrĂ€g den Musikern zugewandt und in der Höhe so angeordnet, dass die auf einer Bank nebeneinander sitzenden Spieler die Membranen in Kniehöhe vor sich haben. Die kleinste Trommel befindet sich zu ihrer Linken.

Die ĂŒbrigen 3 grĂ¶ĂŸeren Trommeln, die der rhythmischen Begleitung dienen, stehen separat in der verlĂ€ngerten Linie der anderen auf der Seite der kleinsten Trommel und werden von stehenden Musikern gespielt. Vier Musiker bedienen die 12 Melodietrommeln, der erste Musiker erreicht die hohen Trommeln 1 bis 5, der zweite die Trommeln 3 bis 7, der dritte die Trommeln 6 bis 10 und der vierte Musiker die tiefen Trommeln 8 bis 12. Die Wirkbereiche der Musiker ĂŒberlappen sich. Jeder kann nicht nur 3, sondern 5 Trommeln schlagen und damit allein ein Melodiemuster produzieren. FĂŒr die 3 separaten Rhythmustrommeln werden zwei Musiker benötigt.

Die Melodietrommeln werden mit sehr langen dĂŒnnen StĂ€ben (enga) geschlagen, die am vorderen Ende U-förmig aufgebogen und am Griffende mit Stoff umwickelt sind, um sie besser in der Hand halten zu können. Die meisten ugandischen Trommeln werden nicht mit den HĂ€nden, sondern mit SchlĂ€geln geschlagen. Diese rund ein Meter langen StĂ€be sind eine Besonderheit der entenga. DĂŒnne StĂ€be von bis zu 40 Zentimetern LĂ€nge wurden ansonsten frĂŒher nur fĂŒr das zu den bugandischen Königstrommeln gehörende kleine Trommelpaar kanabba benutzt.cite-ref-16[16] Die frĂŒher fĂŒr die große Ă€thiopische Zeremonialtrommel negarit verwendeten SchlĂ€gel waren Ă€hnlich lang und nach oben gebogen.cite-ref-17[17] Üblich fĂŒr andere Trommeln in Uganda sind kĂŒrzere, bis zu 30 Zentimeter lange und dickere SchlĂ€gel, wie sie auch fĂŒr Nr. 13 und Nr. 14 der Rhythmustrommeln verwendet werden. Die grĂ¶ĂŸte Rhythmustrommel, Nr. 15, genannt nakawombe, wurde laut Klaus Wachsmann (1965) mit zwei besonders schweren Hölzern geschlagen. Lois Ann Anderson (1977) erklĂ€rt, dass die kleinere Rhythmustrommel Nr. 13, entemyo, von einem Musiker bedient wurde, wĂ€hrend der zweite Musiker meistens die großen Trommeln Nr. 14, kyawakati, und Nr. 15, nakawombe, mit jeweils einem dicken Stock schlug.cite-ref-18[18]

Nakawombe ist auch eine Alternativbezeichnung fĂŒr die gesamte Trommelgruppe. Die Melodietrommeln (omuwanjo) werden ebenfalls mit Namen unterschieden und nach den vier Spieler aufgeteilt. Die fĂŒnf am höchsten klingenden Trommeln 1 bis 5 heißen wie allgemein hohe Töne obutono („die kleinen“). Überlappend heißen Trommeln 3 bis 7, die in Anordnung und Tonhöhen die mittlere Position einnehmen, enjawuzi („die Teiler“). Trommeln 6 bis 10 werden enazi genannt, abgeleitet vom Verbstamm -naga („den Auftakt bilden“), weil mit ihnen das erste musikalische Thema gespielt wird. Das Wort fĂŒr die Trommeln 8 bis 12, amatengezi („die Zitternden“) ist von der Wurzel -tengeteza abgeleitet, zu deren Bedeutungsumfeld das tiefe Grollen oder Erzittern der Erde bei einem Erdbeben gehört.

Die Bezeichnung entemyo, laut Klaus Wachsmann (1965) fĂŒr Rhythmustrommel 14 (wobei Nr. 13 und 14 unklar auch enjongo heißen können), ist von obutemyo (Singular akatemyo) abgeleitet, wie die Spitze eines konischen Hausdachs, die drei kĂŒrzesten Saiten der Bogenharfe ennanga und drei Saiten der Ganda-Leier endongo genannt werden.cite-ref-19[19] Weshalb diese Trommel so genannt wird, ist unklar, denn sie ist nicht die höchste, sondern die mittlere unter den Rhythmustrommeln. Die am höchsten klingende, vergleichsweise schlanke Rhythmustrommel ist Nr. 13, entemyo (auch enjongo, der Name entemyo steht auch fĂŒr ein Trommelpaar in einem anderen Ensemble). Enjongo erscheint als Name fĂŒr diese eine Trommel im Singular, sollte aber die Pluralbildung von olujongo sein. Eine Trommel namens olujongo gehörte zu den sechs Zeremonialtrommeln entamiivu am Hof von Buganda. Die olujongo war mit einer LĂ€nge von 105 Zentimetern und einem maximalen Durchmesser an der Membran von 26 Zentimetern ungewöhnlich schlank, was vielleicht eine Beziehung zum Adjektiv olujongojongo herstellt, das laut einem Luganda-Französisch-Wörterbuch von 1917 etwa gebraucht werden kann, um einen „Mann so dĂŒnn wie eine Bohnenstange“ zu beschreiben.cite-ref-20[20]

Spielweise

Mitte des 20. Jahrhunderts war die entenga am Königshof von Buganda gegenĂŒber den Zeremonialtrommeln timba und namanyonyi von nachrangiger Bedeutung, dennoch durfte sie nur wĂ€hrend der Anwesenheit des Kabaka gespielt werden. Die entenga-Trommeln waren im alleinigen Besitz des Kabaka. Im Jahr 1955 erwarb Joseph KiwĂĄnuka, der damalige Bischof von Masaka, die königlichen entenga fĂŒr die Musikabteilung der Kizito's Technical School, wo sie erstmals fĂŒr die Allgemeinheit zur VerfĂŒgung standen. Vor dieser Zeit konnte nur jemand die entenga ausleihen, wenn er die besondere Gunst des Kabaka erworben hatte oder ein Mitglied eines der die Trommeln betreuenden Clans war. Neben dem Butiko-Clan (Pilz-Totem) waren dies der Lugave-Clan (Schuppentier-Totem) und der Endiga-Clan (Schaf-Totem).cite-ref-21[21]

Im Jahr 1950 nahm der Musikethnologe Hugh Tracey entenga-Musik im königlichen Palast von Buganda auf.cite-ref-22[22] Weitere Tonaufzeichnungen machte die Musikethnologin Lois Ann Anderson bei ihrem Aufenthalt in Uganda 1964 bis 1966.

Mitte der 1960er Jahre waren beim Kabaka 14 entenga-Trommelspieler angestellt, die fĂŒnf verschiedenen Clans angehörten: 4 Musiker des Lugave-Clans (Schuppentier-Totem), 4 des Mmamba-Clans (Lungenfisch), 3 des Pfumbe-Clans (Zibetkatze), einer des Butiko-Clans (Pilz) und einer des Ndiga-Clans (Schaf). Die Auswahl jedes Einzelnen hing mit seinen verwandtschaftlichen Beziehungen zusammen und die Bestimmung der teilnahmeberechtigten Clans folgte teilweise weit zurĂŒckreichenden Traditionen. Der Leiter dieser Musiker, der die beiden tiefsten Rhythmustrommeln spielte, gehörte zum Lugave-Clan.cite-ref-23[23]

Entenga-Trommeln gab es bis in die 1960er Jahre nur im Palast des Kabaka in Kampala. Mit Beginn der autokratischen Herrschaft von Milton Obote 1966 wurden alle ugandischen KönigtĂŒmer gewaltsam aufgelöst und der Palast des Kabaka zerstört, worauf das entenga-Ensemble zusammen mit den ĂŒbrigen königlichen Traditionen verschwand. Der von KiwĂĄnuka 1955 erworbene Trommelsatz konnte in den 1960er Jahren nicht mehr gespielt werden. Ende der 1960er Jahre besorgte sich das Kyambogo Teacher’s College in Kampala einen weiteren Nachbau des Trommelsatzes und engagierte einen entenga-Spieler, um das Trommelspiel an zukĂŒnftige Lehrer weiterzugeben. Die drei Rhythmustrommeln sind auf Abbildungen aus jener Zeit nicht zu erkennen und fehlten wahrscheinlich.cite-ref-24[24] Die gesamte entenga-Tradition war praktisch erloschen.

Die Initiative Singing Wells eines britischen und eines kenianischen Musiklabels zum Erhalt traditioneller Musik in Ostafrika begann 2013 mit dem Versuch, die entenga-Tradition wiederzubeleben. Als deren Kronzeuge fanden sie den Trommler Musisi, der 16 Jahre alt war, als der Königspalast in Kampala zerstört wurde. UnterstĂŒtzung fĂŒr das Projekt kam außerdem von Albert Ssempeke (* 1979), der die Flöte endere, die Leier endongo, die Bogenharfe ennanga und Trommeln spielt.cite-ref-25[25] So wurde ein Satz von 15 neuen Trommeln hergestellt und dieser nach alten Tonaufzeichnungen gestimmt.

Die bugandische Musik ist pentatonisch. Die höfische Musik wurde ursprĂŒnglich fĂŒr Gesangsstimme und die Bogenharfe ennanga komponiert und anschließend auf das Holmxylophon amadinda (in der höfischen Musik entaala genannt) und die Trommeln entenga ĂŒbertragen.cite-ref-26[26] Mit der Bogenharfe, dem Xylophon und den entenga-Trommeln werden dieselben Lieder gespielt. Nach Lois Ann Anderson (1977) kannten die Trommler 30 Lieder.cite-ref-27[27] Eine weitere Gemeinsamkeit von Xylophon und Melodietrommeln abgesehen vom selben Repertoire sind die verzahnten (englisch interlocking) Rhythmen, die bei den Trommeln vier Spieler nebeneinander, beim Xylophon zwei Spieler auf einer Seite und ein weiterer Spieler gegenĂŒber produzieren. Im Unterschied zur Harfe, die stets der Gesangsbegleitung dient, ist die Musik des Xylophons und der Trommeln rein instrumental.cite-ref-28[28]

Die 12 Trommeln werden ungefĂ€hr wie die 12 KlangstĂ€be des Xylophons gestimmt. Das genaue Stimmen der Trommeln ist aufwendig und vor jedem StĂŒck werden die Tonhöhen geprĂŒft. Soll der Ton tiefer werden, drĂŒckt der Spieler krĂ€ftig mit dem Handballen auf die Mitte des Trommelfells. Um den Ton zu erhöhen, schlĂ€gt er mit einem der fĂŒr die Rhythmustrommeln gebrauchten dicken Stöcke am oberen Rand gegen die VerschnĂŒrung.

Zu Beginn des Spiels finden die vier Musiker der Melodietrommeln ihre gemeinsame verzahnte Rhythmusstruktur, indem sie zunĂ€chst mit ihren dĂŒnnen StĂ€ben kaum hörbar neben das Trommelfell auf den Korpusrand schlagen. Sie sind wĂ€hrend eines StĂŒcks ununterbrochen im Einsatz, wĂ€hrend die beiden Spieler der Rhythmustrommeln zu Beginn und am Ende eines StĂŒcks rhythmische Betonungen setzen. FrĂŒher spielte hierfĂŒr ein Musiker die beiden tiefsten Trommeln zugleich, beendete das StĂŒck aber, indem er mit beiden Stöcken nur die tiefste Trommel nakawombe schlug. Die Rhythmustrommel Nr. 13, entemyo, wurde gebraucht, um mit einem einzelnen Schlag eine rhythmische Phrase einzuleiten.cite-ref-29[29]

Wie beim entaala werden bei den Melodietrommeln drei Rhythmusmuster unterschieden: okunaga („beginnen“), okwawula („teilen“) und okukoonera („schlagen, klopfen“). Zwei Musiker spielen okunaga und okwawula zugleich in verschiedenen Oktaven auf den fĂŒnf Trommeln in ihren (sich ĂŒberlappenden) Bereichen. Der Trommler von okunaga spielt auch den Rhythmus okukoonera in der oberen Oktave. Beim entaala werden diese Rhythmen von zwei Musikern gespielt. Die Bezeichnungen entsprechen denen des entaala, nur dass dort ein StĂŒck mit okunaga, bei den Trommeln jedoch mit okwawula, einem kurzen Ostinato, begonnen wird. Diesem folgt das lĂ€ngere melodisch-rhythmische Muster okunaga. Ein einzelnes Muster umfasst drei, vier oder fĂŒnf Tonstufen.cite-ref-30[30]

Um die melodischen Strukturen zu erlernen, sitzt der SchĂŒler vor den fĂŒr eine der drei Rhythmen verwendeten Trommeln und sein Lehrer vor den Trommeln der anderen Oktave. Zu Übungszwecken werden die Trommelkanten angeschlagen, wie dies auch zu Beginn eines StĂŒcks geschieht. Damit lĂ€sst sich der Gebrauch der dĂŒnnen StĂ€be in beiden HĂ€nden besser einĂŒben und es ist nur ein leises Klacken zu hören. Am einfachsten ist das Muster okwawula bei den StĂŒcken, die auf drei Tonstufen beschrĂ€nkt sind, zu erlernen. Damit der SchĂŒler lernt, sich auf sein Rhythmusmuster zu konzentrieren, ergĂ€nzt der Lehrer dazu den Rhythmus okunaga. Diese rhythmische Verzahnung von okwawula und okunaga verstĂ€rkt ein weiterer Spieler mit einzelnen SchlĂ€gen aus dem okunaga. Der SchĂŒler lernt im Verlauf seines Unterrichts alle drei melodischen Rhythmusmuster, die zu einem mit den entenga-Trommeln gespielten StĂŒck gehören. Lois Ann Anderson (1977) beobachtete, dass die Trommler spĂ€ter eine bestimmte Position an der Trommelreihe bevorzugten. Da Mitte der 1960er Jahre kein weiterer Trommelsatz außerhalb des Palastes von Kampala verfĂŒgbar war, nutzten die SchĂŒler zum Üben auch ein entaala, das im Dorf des Ensembleleiters vorhanden war. Alle vier Musiker hockten sich zu diesem Zweck auf eine Seite des Xylophons.cite-ref-31[31]

Verbreitung der Trommelspiele

Uganda

Namadu

Außerhalb des Königtums Buganda sind in Uganda zwei weitere Trommelspiele bekannt: namadu (namaddu) der Bagwere im Osten Ugandas mit sieben Trommeln und ein Satz mit sechs Trommeln myel bul („Trommellieder“), den die Langi im zentralen Norden (um die Stadt Lira) verwenden.

Die namadu-Trommelncite-ref-32[32] verdrĂ€ngten ab der Mitte des 20. Jahrhunderts das Xylophon entala (entaala, auch miruli) der Bagwere. Das damals bereits seltene entala bestand aus sechs KlangstĂ€ben (8 Zentimeter breit, 2 Zentimeter dick und durchschnittlich 50 Zentimeter lang), die um eine Trommel ergĂ€nzt wurde, sodass dem Musiker mit dem tiefen Ton der Trommel sieben Tonstufen zur VerfĂŒgung standen. Die Stimmung entsprach derjenigen der Bagwere-Bogenharfe (tongoli, sechs Saiten) mit vier Tönen in einer Oktave, also einer tetratonischen Skala mit annĂ€hernd Ă€quidistanten Intervallen.cite-ref-33[33]

Die namadu-Trommeln wurden in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts zu einem kulturellen Symbol der Bagwere, gehörten aber nie zu einer höfischen Zeremonie, sondern begleiten Reinigungsrituale der Clans mit jugendlichen TĂ€nzern. Nach einer der unterschiedlichen ErzĂ€hlungen sollen die Bagwere zunĂ€chst fĂŒr religiöse Zwecke das Xylophon entala erfunden haben. Weil die Banyole ihr Xylophon kopierten, beschlossen sie, nach dem Vorbild ihres Xylophons den Satz aus sieben gestimmten Trommeln einzufĂŒhren, weil der von keiner anderen Ethnie in Uganda verwendet wird. Nach anderen Aussagen wurde das Xylophon ersetzt, weil es nicht laut genug klang fĂŒr die energiegeladenen TĂ€nze kisamadu, die den Trommeln ihren Namen gaben. Die namadu-Trommelmusik hat eine wesentliche Funktion bei Clan-Ritualen gegen diverse Übel, die von besessen machenden Totengeistern ausgehen, wie Unfruchtbarkeit und soziales Fehlverhalten. Das namadu-Besessenheitsritual mit TĂ€nzen und KĂ€mpfen zwischen den Jugendlichen dient, wie andere Rituale, primĂ€r dazu, die mĂ€chtigen Ahnen und Clangeister zu besĂ€nftigen, um weiteren Schaden durch deren Einfluss auf die Lebenden abzuwenden.cite-ref-34[34] Die Musik und TĂ€nze gehören zwar traditionell zu Clanritualen, die auch ein blutiges Opfer vorsehen, werden aber auch ohne Opfer als Volksunterhaltung aufgefĂŒhrt.cite-ref-35[35]

Die namadu-Lieder sind bis heute bekannt, weil sie weitgehend dem Repertoire der Bogenharfe entsprechen.cite-ref-36[36] Die sieben namadu-Trommeln werden von einem Musiker gespielt.cite-ref-37[37] Sie bestehen aus einem konischen Holzkorpus, der mit einer Membran aus Rindshaut bespannt ist. FĂŒnf der sieben Trommeln reichen ĂŒblicherweise aus, um eine Melodie zu spielen, die ĂŒbrigen zwei Trommeln ergĂ€nzen den Rhythmus. Mit dĂŒnnen geraden Stöcken schlĂ€gt die linke Hand den Rhythmus auf der Basstrommel und die rechte Hand die Melodie. Die Melodietrommeln sind, beginnend mit der höchsten Trommel links neben der Basstrommel, im Halbkreis vor dem am Boden sitzenden Musiker angeordnet.cite-ref-38[38]

Myel bul

Wie die zwölf entenga- und die sieben namadu-Trommeln mit einem Xylophon in einer musikalischen Beziehung stehen, sind die sechs Trommeln myel bul der Langi mit einem anderen Idiophon musikalisch verbunden. Dieses wird bul tyang’ apena („Trommel aus Schilfrohr“) genannt und besteht aus sechs Pflanzenrohren, die an zwei Stellen halb eingeschnitten sind, sodass sich drei mehr oder weniger Ă€hnlich lange Abschnitte ergeben. Das Mittelteil des lĂ€ngsten Rohrs misst etwa 40 Zentimeter. Die Rohre werden an den Einschnitten rechtwinklig zu einer U-Form umgebogen und nebeneinander in den Erdboden gesteckt. Zwei Jungen schlagen mit jeweils zwei Stöcken auf die waagrechten Mittelteile der Rohre.cite-ref-39[39] Die Wirkungsbereiche der beiden Jungen ĂŒberlappen sich wie bei den Musikern der sechs nebeneinander aufgestellten Trommeln. Anders als bei den entenga-Trommeln steht beim myel bul die tiefste Trommel links vor den Musikern.cite-ref-40[40]

In den 1950er und 1960er Jahren scheint das Trommelspiel myel bul selten gewesen zu sein, denn Klaus Wachsmann machte zwar 1954 Aufnahmen von ikoce-TĂ€nzen der Langi, aber ohne Trommelreihe. Ikoce ist ein Sprungtanz einer Gruppe von MĂ€nnern, zu dem ein unisono Gesang gehört. VorsĂ€nger und Leiter ist der Trommelspieler, der eine im Halbkreis um sich herum aufgestellte Reihe von heute acht bis zehn kleinen Röhrentrommeln mit den HĂ€nden schlĂ€gt.cite-ref-41[41] Ein zweiter Musiker ergĂ€nzt ĂŒblicherweise einen Rhythmus mit Stöcken auf zwei separaten Trommeln.cite-ref-42[42] Beim abuda, einem theatralischen Volkstanz, springen Lango-MĂ€nner mit Gummistiefeln und singen unisono, begleitet von zehn oder mehr Trommeln.cite-ref-43[43] Mit einem melodisch gespielten Trommelkreis begleiten die Langi auch andere VolkstĂ€nze.cite-ref-44[44]

Äthiopien

Die Ă€thiopische Kesseltrommel negarit (namentlich von arabisch naqqara abgeleitet) kann als altehrwĂŒrdiges Machtsymbol politischer und religiöser Herrschaft in eine Beziehung zu den entenga-Trommeln gestellt werden. Einzelne große Kesseltrommeln als Zeremonialtrommeln und Insignien der Herrscher wurden im östlichen Afrika außer in Uganda und Äthiopien auch in den Königreichen von Ruanda (vier nebeneinander, jeweils auf einem StĂ€nder waagrecht gelagerte, riesige Kesseltrommeln ingabe der Tutsi-Herrscher) und Burundi (bis zu 25 senkrecht aufgestellte, aus einem Baumstamm gefertigte Bechertrommeln ingoma) gebraucht.cite-ref-45[45]

Die negarit wurde fĂŒr staatliche Zeremonien und Proklamationen des Kaisers verwendet, war aber bereits vor dem Ende des Kaiserreichs 1974 praktisch verschwunden. Genauere Informationen und Bildmaterial zur Spielweise der negarit sind nicht ĂŒberliefert. In der Zeremonialmusik wurden mehrere negarit mit mehreren LĂ€ngsflöten embilta und Langtrompeten malakat gespielt. Heute werden negarit noch rituell in Klöstern der Ă€thiopisch-orthodoxen Kirche eingesetzt. Der Korpus der negarit war eine flache Schale mit einem Durchmesser zwischen etwa 20 Zentimetern (aus Ton, Holz oder Metall) und gut 90 Zentimetern (aus Kupfer).cite-ref-46[46]

Historischen Fotografien zufolge wurden mehrere große negarit ohne eine bestimmte Anordnung zu einer Gruppe zusammengestellt und von je einem Musiker mit gebogenen Stöcken geschlagen. Eine Miniatur in einem vor 1730 entstandenen Ă€thiopischen Manuskript mit biblischen Szenen zeigt eine Reihe von musizierenden Figuren ĂŒber einem Wolkenband. Es sind die sieben Engel aus der Offenbarung des Johannes, von denen jeder einen gebogenen Stock in der erhobenen rechten Hand hĂ€lt und damit auf die vor ihm stehende Kesseltrommel schlĂ€gt.

Die paarweise VerschnĂŒrung von Kesseltrommeln, wie frĂŒher bei den entenga und bei anderen Trommeln in Uganda, ist auch bei den mit dem Wortumfeld naqqara benannten nordafrikanischen Kesseltrommeln ĂŒblich, deren Verbreitungsgebiet sich ĂŒber Persien bis nach Indien erstreckt. Klaus Wachsmann (1965) erwĂ€hnt diese Ähnlichkeit, stellt aber keinen Bezug her, sondern erkennt eher eine weitreichende Verbindung bei den am Ende aufgebogenen Trommelstöcken.cite-ref-47[47] Curt Sachs (1940) zufolge sollen die gebogenen Trommelstöcke, die auf altindischen Reliefs abgebildet und bis nach Tibet, SĂŒdindien und SĂŒdostasien verbreitet sind, ihren Ursprung im Gebiet von Iran haben.cite-ref-48[48] Dem ugandischen Trommelspiel am nĂ€chsten kommt in diesem Zusammenhang eine indische Miniatur aus dem 17. Jahrhundert, die erstmals in A. H. Fox Strangways (The Music of Hindostan, 1914) abgebildet wurde und laut Bildunterschrift einen Ausschnitt aus der „Kapitulation von Kandahar in der Sammlung Sitaram Lal von Benares“ zeigt.cite-ref-49[49] Thema ist die Eroberung der damals zum Mogulreich gehörenden Stadt Kandahar durch die Safawiden 1638. Zu sehen sind fĂŒnf in einer Reihe sitzende Musiker, die mit den HĂ€nden kleine Kesseltrommelpaare (naqqara) schlagen, in ihrer Mitte ein weiterer Musiker mit einem etwas grĂ¶ĂŸeren Kesseltrommelpaar und links am Bildrand ein stehender Musiker mit einer großen Standtrommel. Weitere Musikinstrumente dieses mogulindischen naubat-Ensembles sind mehrere Langtrompeten (karna), Kegeloboen (surnā) und Paarbecken.cite-ref-50[50]

Malawi

Das Trommelspiel likhubacite-ref-51[51] aus neun oder zehn pentatonisch gestimmten Trommeln mit bis zu einem Meter LĂ€nge ist bei den Ethnien der Mang’anja in Malawi und Sena im SĂŒden von Malawi und im Nordwesten von Mosambik bekannt.cite-ref-52[52] Die likhuba-Trommeln gehören zu einem akrobatischen MĂ€nnertanz likhuba, der frĂŒher bei einer Heilungszeremonie fĂŒr eine Frau aufgefĂŒhrt wurde, heute jedoch lediglich der Unterhaltung dient.cite-ref-53[53] Wim van Zanten (1980) gibt fĂŒr denselben Trommelsatz bei den Sena in Malawi den Namen ntanda an.

Bei einem Satz von neun Instrumenten spielt der leitende Musiker typischerweise fĂŒnf oder sechs Trommeln, ein Musiker die Trommeln 6 und 7, zwei weitere Musiker bedienen die beiden Basstrommeln 8 und 9. Hugh Tracey, der 1958 am Sambesi im SĂŒden von Malawi Aufnahmen mit likhuba-Trommelmusik machte, gibt die Tonhöhen wie folgt an:

‱ gogogo, höchste Trommel, 388 Hz (ungefĂ€hr g1)
‱ usindi, vier Trommeln, 324 Hz (e1), 264 Hz (c1), 228 Hz (zwischen a und b), 194 Hz (g)
‱ ndusi, 162 Hz (e)
‱ usonjo, 132 Hz (c)
‱ ntewe, 118 Hz (B)
‱ ngunte, möglicherweise 97 Hz (G)cite-ref-tracey-nyasaland-54-0[54]

Neben Trommeln und Rasseln gehören die Brettzither bangwe (mit 7 bis 14 Saiten) und das Rahmenxylophon valimba (mit 20 bis 24 KlangstĂ€ben) zu den beliebtesten traditionellen Musikinstrumenten der Sena. In ihrer Musik, die auf einer Ă€quidistanten heptatonischen Skala basiert, unterscheiden die Sena zunĂ€chst einen relativen hohen Ton (fala ing'ono, „kleiner Ton“) von einem tiefen Ton (fala ikulu, „großer Ton“). Die Töne dazwischen ordnen sie nach ihrer relativen Tonstufe, geben aber nicht allen Tönen einen eigenen Namen, weshalb vier der Trommeln gleich benannt werden. Teilweise stimmen die Trommelnamen mit den entsprechenden Tonstufen bei der bangwe und der valimba ĂŒberein (so bei gogogo, dem höchsten Ton, und gunthe, dem tiefsten Ton). Beim Trommelspiel, der Brettzither und beim Xylophon befindet sich stets der tiefste Ton (Membran, Saite bzw. Klangstab) auf der rechten Seite des Musikers.cite-ref-55[55]

Die Trommelmembranen werden durch Erhitzen ĂŒber dem Feuer gestimmt, wodurch sich der Ton erhöht. Dazu werden die Trommeln flach auf den Boden neben ein in der Mitte brennendes Feuer gelegt. Um den dumpfen schweren Klang der TrommelschlĂ€ge zu erreichen, setzen die Musiker anschließend einen Ring aus einer ölhaltigen Paste in die Mitte des Trommelfells, bei manchen Trommeln ĂŒberdecken sie die Mitte des Fells vollstĂ€ndig mit Paste. Unmittelbar nach dem Spiel wurde, Hugh Tracey zufolge, die auf der Basis von beispielsweise Rizinusöl oder Schmierfett angerĂŒhrte Paste wieder entfernt, um nicht die Membran aufzuweichen. Die den Leiter begleitenden Rhythmustrommeln spielen den in der Region hauptsĂ€chlich gebrauchten Rhythmus von 4 × 3 = 12 ZĂ€hlzeiten.cite-ref-tracey-nyasaland-54-1[54]

Der Musikethnologe Moya Aliya Malamusi traf 1988 im Township Bangwe von Blantyre den Musiker MĂĄrio Sabuneti, der einen Satz von sieben einfelligen Zylindertrommeln spielte. Die Membranen aus Rindshaut waren mit HolznĂ€geln am Rand des Holzkorpus befestigt. Die achte Trommel war eine zweifellige Zylindertrommel mit gegeneinander verschnĂŒrten Membranen. Drei der nach der Tonskala des Xylophons (valimba) gestimmten Trommeln standen senkrecht auf dem Boden, die ĂŒbrigen fĂŒnf lagerten waagrecht ĂŒbereinander in einem Holzgestell. Der Musiker spielte allein alle acht Trommeln mit etwa 30 Zentimeter langen StĂ€ben, nur die unten im Gestell liegende große Basstrommel schlug er mit einer selbst gebauten Fußmaschine. Außerdem sang er, wĂ€hrend sein Begleiter eine zweite Stimme ergĂ€nzte. Sabuneti gab seinem Instrument den Namen samba ngoma, gemeint als Aufforderung zum Tanzen.cite-ref-56[56]

Nigeria

Bei den Igbo im SĂŒden Nigerias sind drei Trommelspiele bekannt, die aus kleinen einfelligen Zylindertrommeln bestehen: ese, ukom und mgba. Bei allen Trommeln ist die Membran an einer in der Mitte des Holzkorpus umlaufenden Pflanzenfaserwicklung festgebunden und mit mehreren, in die Wicklung geschobenen Holzkeilen verspannt.cite-ref-57[57] Die Trommelspiele sind Sprechtrommeln und die Varianten werden fĂŒr bestimmte Bestattungszeremonien gebraucht.

Die ese-Trommeln haben Durchmesser zwischen 10 und 20 Zentimeter und eine Höhe zwischen 13 und 18 Zentimeter. Vier Melodietrommeln entsprechen einem zylindrischen Holzmörser mit einem geschlossenen Boden. Hinzu kommt eine an der Unterseite offene „Geistertrommel“ (muo ese) mit einem tiefen unbestimmten Ton, die fĂŒr rhythmische Punktierungen (isu nkwa) als Rhythmustrommel verwendet wird. Damit besitzt die ese einen Tonumfang von fĂŒnf Stufen, die vor jedem Einsatz sorgfĂ€ltig gestimmt werden. Die Tonintervalle von einer kleinen Terz, einer großen Sekunde und einer ĂŒbermĂ€ĂŸigen Sekunde bedeuten in Verbindung mit dem Rhythmus einen Buchstaben oder eine Silbe der gesprochenen Tonsprache. Der Schlag der „Geistertrommel“ steht fĂŒr den abfallenden Ton der Stimme. Die rhythmische Struktur der Sprache wird mit den Trommeln genau wiedergegeben.

HauptsĂ€chlich verwendet werden die Trommeln von den Ngwa, einer Untergruppe der Igbo, fĂŒr die drei aufeinanderfolgenden Zeremonien beim Tod eines bedeutenden mĂ€nnlichen Gemeindemitglieds. Dem Trommler kommt dabei die Aufgabe zu, sprachlich mit den Ahnen und Geistern in Kontakt zu treten. Mit den so Heraufbeschworenen soll ein dramatischer Dialog entstehen.cite-ref-58[58] Die Bedeutung, die dem prĂ€zisen Einsatz der Trommeln beigemessen wird, machen die drei auf den Anlass bezogenen Varianten des ese-Trommelsatzes deutlich: Ese elu ulo („Dachspitzen-ese“) wird nur bei der Bestattungszeremonie eines politisch und wirtschaftlich außerordentlich bedeutenden Mannes gespielt. Ese ike („machtvolles ese“) gilt einem Verstorbenen von ĂŒberdurchschnittlichen Verdiensten und ese akpukpo („Trommelfell-ese“) gebĂŒhrt einem Mann mit standesgemĂ€ĂŸen Verdiensten. Diese Trommelklassen entsprechen den drei hierarchischen Stufen der Verstorbenen und dem sorgsam darauf abgestimmten Aufwand bei den Bestattungszeremonien.cite-ref-59[59]

Die beiden anderen Trommelspiele der Igbo sind ukom mit neun bis zehn Ă€hnlich großen Zylindertrommeln und (nkwa) mgba mit neun auf eine andere Skala gestimmten Trommeln. Die ukom werden von zwei Musikern und die mgba von drei Musikern gespielt.cite-ref-60[60] Die Trommeln stehen in einer geraden oder gekrĂŒmmten Reihe auf dem Boden. Ukom ist eine bei der Bestattungszeremonie einer bedeutenden Igbo-Frau gespielte Musik. Gelegentlich werden ukom oder die anderen TrommelsĂ€tze als „Xylophon-Trommel“ bezeichnet. Der leitende Musiker spielt alle zehn Trommeln und sein Begleiter ergĂ€nzt auf den tieferen vier bis sechs Trommeln zur Melodie ostinate harmonische Strukturen.cite-ref-61[61]

Mgba-Musik begleitet – alternativ zu einem Ensemble mit einem Zwei-Platten-Xylophon, einer Schlitztrommel, einer Doppelglock und der Flöte oja – RingerwettkĂ€mpfe (egwu mgba oder ekere mgba) und andere gesellschaftliche AnlĂ€sse wie Taufzeremonien oder die Eröffnung einer Gemeindeinstitution.cite-ref-62[62]

Myanmar

Das in einer gebogenen Reihe auf dem Boden aufgestellte nigerianische Trommelspiel ukom erinnert in GrĂ¶ĂŸe, Zahl und Anordnung der Trommeln an den indischen Trommelkreis tabla tarang, der jedoch erst im 19. Jahrhundert als seltenes Melodieinstrument in die klassische indische Musik eingefĂŒhrt wurde und deshalb nicht als Argument fĂŒr eine alte Kulturverbindungen herangezogen werden kann. Die tabla tarang ist auch nicht mit einem Xylophon musikalisch verbunden.

Dagegen wurden um die Mitte des 20. Jahrhunderts die ugandische entenga, der Trommelkreis hsaing waing in Myanmar und die Trommelreihe taganing in Indonesien von Vertretern diffusionistischer Theorien angefĂŒhrt, um einen Kulturaustausch von Asien nach Afrika zu belegen, wie dies etwa Jaap Kunst 1960 anhand des kleinen indonesischen Perkussionsinstruments kemanak versuchte.cite-ref-63[63] Die Parallelen unter den Trommelspielen werden auch ohne die genannten Theorien festgestellt.cite-ref-yampolsky-64-0[64]

Die Musik Myanmars ist durch den seit dem 1. Jahrtausend in SĂŒdostasien verbreiteten und in der Kulturtradition tief verankerten Buckelgong geprĂ€gt. Im klassischen Ensemble gruppieren sich um den Buckelgongkreis kyi waing Xylophone, die Kegeloboe hne, der mit seinem kreisrunden Gestell dem Buckelgongkreis entsprechende Trommelkreis hsaing waing (auch pat waing), einzelne Trommeln und weitere Idiophone. Das hsaing waing-Ensemble wird fĂŒr die Musik im Freien bei TheaterauffĂŒhrungen, religiösen AnlĂ€ssen und sĂ€mtlichen Festveranstaltungen eingesetzt.

Sumatra

Im klassischen indonesischen Gamelan von Java und Bali bilden waagrecht in einer Reihe angeordnete Buckelgongs (bonang), in Gestellen hĂ€ngende Buckelgongs, Metallophone (saron) und zweifellige Fasstrommeln (kendang) das melodisch-rhythmische Zentrum. Die einzigen Melodieinstrumente, die wie die burmesische hne einen anhaltenden Ton produzieren, sind entweder die Bambusflöte suling oder die Spießgeige rebab. Buckelgongs werden manchmal im Rechteck um den Spieler, aber nicht im Kreis aufgestellt. Melodisch gespielte Trommelkreise sind auf den Malaiischen Inseln nicht bekannt, außer auf Sumatra.

Bei den Batak in der Provinz Nordsumatra heißt das dem Gamelan vergleichbare Orchester gondang (Toba-Batak) oder gendang (Karo-Batak), sprachlich mit indonesisch kendang (gendang, „Trommel“) verbunden. Eine Ă€hnliche Basis von Idiophonen (Buckelgongs ogung) wie beim Gamelan wird durch die Kegeloboe sarune melodisch ergĂ€nzt. Hinzu kommt beim gondang der Toba-Batak als Entsprechung zum burmesischen hsaing waing das Trommelspiel taganing, das aus einer Reihe von fĂŒnf unterschiedlich gestimmten einfelligen Röhrentrommeln besteht.cite-ref-65[65]

Die fĂŒnf taganing (auch tataganing) besitzen einen leicht bauchigen, aus dem Stamm eines Jackfruchtbaums (indonesisch nangka, Bataksprachen pinasa, sangkotan) geschnitzten Holzkorpus mit einem breiten Rand als StandflĂ€che am unteren offenen Ende.cite-ref-66[66] Die ĂŒber den Korpusrand gezogene Membran aus WasserbĂŒffel-, Rinds- oder Ziegenhaut wird in einer fĂŒr Sumatra spezifischen Methode gespannt. Sechs Holzstifte sind waagrecht durch zwei Löcher in der Membran gesteckt und dienen als Anker, um eine Rattanschnur zu fixieren, die am unteren Korpusrand um eingeschlagene HolznĂ€gel verlĂ€uft. Jeweils zwei benachbarte SpannschnĂŒre werden miteinander verdreht und durch eine in der Mitte des Korpus umlaufende Schnur in dieser Position gesichert.cite-ref-67[67] Eine sechste grĂ¶ĂŸere Basstrommel gordang von rund einem Meter LĂ€nge dient der rhythmischen Akzentuierung. Sie wird von einem zweiten Spieler mit zwei Stöcken geschlagen.

Artur Simon (1984) gibt fĂŒr einen taganing-Trommelsatz folgende Maße an:cite-ref-68[68]

1. anak ni taganing („Kind der taganing“), LĂ€nge 43 Zentimeter, Membrandurchmesser 16 Zentimeter
2. paidua („die zweite“), LĂ€nge 45 Zentimeter, Durchmesser 16 Zentimeter
3. paitolu („die dritte“), LĂ€nge 45 Zentimeter, Durchmesser 18 Zentimeter
4. paiopat („die vierte“), LĂ€nge 46 Zentimeter, Durchmesser 19 Zentimeter
5. pailima („die fĂŒnfte“), LĂ€nge 49 Zentimeter, Durchmesser 20 Zentimeter

Mit den taganing werden den Gongspielen entsprechende, schnelle melodisch-rhythmische Formeln in einer Ritualmusik gespielt, mit der Ahnengeister angerufen werden sollen. Der Musiker schlĂ€gt mit Stöcken entweder eine rhythmische Basis Ă€hnlich dem Taktgeber hesek-hesek (Eisenplatte oder mit einem Nagel geschlagene Bierflasche) oder er folgt der Melodielinie der sarune. Die fĂŒnf Töne der sarune sind nicht einheitlich, aber meistens auf die aufeinanderfolgenden Stufen einer diatonischen Skala gestimmt. Die fĂŒnf Trommeln werden hingegen in weiteren Intervallen – ungefĂ€hr in Terz- und QuartabstĂ€nden – gestimmt. Beim parallelen Zusammenspiel der beiden Instrumente ergeben sich somit zwar ein ĂŒbereinstimmender Rhythmus, aber völlig verschiedene Melodielinien.

Taganing werden vom Leiter (pargonsi) des gondang gespielt. Ob die taganing eher rhythmisch oder eher melodisch geschlagen werden, ist vom einzelnen gondang und dem rituellen Anlass abhĂ€ngig. Das zeremonielle Ensemble gondang somba-sombacite-ref-69[69] begleitet einen Stehtanz von Frauen und MĂ€nnern, der zu großen traditionellen Festen gehört. Das Ensemble besteht aus einem taganing-Trommelsatz, einer Basstrommel gordang, einer Kegeloboe sarune, einem tiefen Buckelgong ogung oloan, je einem weiteren Gong ogung pangalusi, ogung doal na godang und ogung panggora sowie dem Taktgeber hesek-hesek. UrsprĂŒnglich begleitete das gondang somba-somba einen Trancetanz.cite-ref-70[70]

Sind eine oder mehrere zweisaitige Zupflauten hasapi beteiligt, ergibt sich der Ensembletyp hasapi taganing, der fĂŒr kleinere Rituale in geschlossenen RĂ€umen in Frage kommt.cite-ref-71[71] Wie entenga und hsiang waing stehen die taganing mit einem Xylophon musikalisch in Beziehung: dem garantung. Anfang des 20. Jahrhunderts bestand das garantung aus fĂŒnf dicken KlangstĂ€ben, heute sind es meist sieben oder acht aufgehĂ€ngte KlangstĂ€be. Das Xylophon wird von den Toba-Batak in der Ritualmusik, Unterhaltungsmusik und im Batak-Musiktheater uning-uningan eingesetzt.cite-ref-72[72] Das garantung hat einen großen Teil des Repertoires mit dem Trommelspiel taganing gemeinsam und wird von einigen Musikern auch taganing genannt. Gestimmte Trommelspiele sind auch von drei anderen, mit den Toba-Batak verwandten Ethnien in Nordsumatra bekannt, den Pakpak, den Simalungung und den Mandailing. Dort werden sie aber eher rhythmisch und weniger als Melodieinstrument verwendet.cite-ref-yampolsky-64-1[64] In der Musik der Mandailing heißt dieses Ensemble gordang sambilan („neun Trommeln“).cite-ref-73[73] Die ungerade Zahl Neun symbolisiert Vollkommenheit und Macht. Sie ergibt sich aus vier „mĂ€nnlich-weiblichen“ Trommelpaaren, die um eine kleine Trommel enek („Kind“) vervollstĂ€ndigt werden, weshalb dieses Ensemble frĂŒher fĂŒr königliche Zeremonien reserviert war.cite-ref-74[74] Eine Ă€hnliche symbolische Bedeutung fĂŒr die Gesellschaft wird den neun Buckelgongs des Gongspiels meko auf der kleinen östlichen Insel Roti zugesprochen.cite-ref-75[75]

Literatur

‱ Lois Ann Anderson: The Entenga Tuned-Drum Ensemble. In: Mantle Hood u. a. (Hrsg.): Essays for a Humanist. An Offering to Klaus Wachsmann. Town House Press, New York 1977, S. 1–57
‱ James Isabirye: Namadu Drum Music and Dance as Mediation of Healing Rituals among the Bagwere People of Uganda. In: Muziki. Journal of Music Research in Africa, Band 17, Nr. 1, 2021, S. 46–71
‱ Klaus Wachsmann: Some Speculations Concerning a Drum Chime in Buganda. In: Man, Band 65, Januar–Februar 1965, S. 1–8
‱ Klaus Wachsmann: Tribal Crafts of Uganda. Part Two: The Sound Instruments. Oxford University Press, London 1953

Weblinks

‱ The Entenga Drums. Part 1. The Singing Wells Project
‱ Entenga: Music that soothed kings. Monitor, 5. Januar 2021

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Curt Sachs: Geist und Werden der Musikinstrumente. (Berlin 1928) Nachdruck: Frits A. M. Knuf, Hilversum 1965, S. 155
cite-note-22. ↑ W. Wilberforce Echezona: Ibo Musical Instruments. In: Music Educators Journal, Band 50, Nr. 5, April–Mai 1964, S. 23–27, 30f, hier S. 24f
cite-note-33. ↑ Gerhard Kubik: Africa. 1. Ethnic groups, languages and style areas. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-44. ↑ Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W. W. Norton & Company, New York 1940, S. 32
cite-note-55. ↑ Erich Moritz von Hornbostel: The Ethnology of African Sound-Instruments (Continued). In: Africa: Journal of the International African Institute, Band 6, Nr. 3, Juli, 1933, S. 277~311, hier S. 294f
cite-note-66. ↑ Bernhard Ankermann: Die afrikanischen Musikinstrumente. (Inaugural-Dissertation zur Erlangung der DoktorwĂŒrde der philosophischen FacultĂ€t der UniversitĂ€t Leipzig) Haack, Berlin 1901, S. 47–56
cite-note-77. ↑ Klaus Wachsmann, 1953, S. 365–368
cite-note-88. ↑ Michael G. Kenny: The Powers of Lake Victoria. In: Anthropos, Band 72, Heft 5–6, 1977, S. 717–733, hier S. 728
cite-note-99. ↑ Engalabi. Afrikamuseum, Tervuren
cite-note-1010. ↑ Neil Kodesh: History from the Healer's Shrine: Genre, Historical Imagination, and Early Ganda History. In: Comparative Studies in Society and History, Band 49, Nr. 3, Juli 2007, S. 527–552, hier S. 546
cite-note-1111. ↑ John Roscoe: The Baganda: An Account of Their Native Customs and Beliefs. Macmillan, London 1911, S. 308
cite-note-1212. ↑ Klaus Wachsmann: Musical instruments in Kiganda tradition and their place in the East African scene. (1961) In: Ders. (Hrsg.): Essays on Music and History in Africa. Northwestern University Press, Evanston, 1971, S. 93–135, hier S. 108f
cite-note-1313. ↑ Engoma Yange Amaggunju Dance Saava Karim. Youtube-Video
cite-note-1414. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 3–5
cite-note-1515. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 1
cite-note-1616. ↑ Klaus Wachsmann, 1953, S. 373
cite-note-1717. ↑ NĂ€garit. sewasew.com
cite-note-1818. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 9
cite-note-1919. ↑ Catherine T. Gray: The Ugandan Lyre endongo and Its Music. In: British Journal of Ethnomusicology, Band 2, 1993, S. 117–142, hier S. 121
cite-note-2020. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 2f
cite-note-2121. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 5
cite-note-2222. ↑ Archiviert vom International Library of African Music in Grahamstown, SĂŒdafrika, und 2009 auf der CD Royal Court Music from Uganda, 1950 & 1952 (SWP 008) veröffentlicht. Track 10 und 11: königliche entenga-Trommler im Lubiri-Palast, Kampala
cite-note-2323. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 3
cite-note-2424. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 1f
cite-note-2525. ↑ Albert Ssempeke. Homepage
cite-note-2626. ↑ Gerhard Kubik: Theory of African Music. Band 1. University of Chicago Press, London 1994, S. 81
cite-note-2727. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 17
cite-note-2828. ↑ Gerhard Kubik: Ennanga Music. In: African Music, Band 4, Nr. 1, 1966/1967, S. 21–24, hier S. 21
cite-note-2929. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 7, 10
cite-note-3030. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 13f, 16f
cite-note-3131. ↑ Lois Ann Anderson, 1977, S. 20–24, 27
cite-note-3232. ↑ Traditional cultural drums of Bagwere – Namadu. Youtube-Video (Sieben namadu-Trommeln werden mit brennendem Stroh gestimmt. Ein Musiker spielt alle Trommeln, sein Begleiter die beiden höchsten. Ekstatischer Tanz auf einer BĂŒhne.)
cite-note-3333. ↑ Klaus Wachsmann, 1953, S. 319; Sue Carole DeVale: Harp. III. Africa. 2. Organology and construction. (iii) Construction, materials and stringing. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-3434. ↑ James Isabirye, 2021, S. 54
cite-note-3535. ↑ James Isabirye, 2021, S. 64; vgl. Peter Cooke: Namaddu. In: Grove Music Online, 22. September 2015
cite-note-3636. ↑ James Isabirye, 2021, S. 56
cite-note-3737. ↑ Namaddu Troupe – Drum Solo – The Singing Wells project. Youtube-Video (Solo mit sechs namadu-Trommeln, aufgenommen in Budaka, 2013)
cite-note-3838. ↑ James Isabirye, 2021, S. 59
cite-note-3939. ↑ K.A. Gourlay, Peter Cooke: Bul tyang’ apena. In: Grove Music Online, 13. Januar 2015
cite-note-4040. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 6
cite-note-4141. ↑ Ikoce Cultural Dance (www.langotv.co.cc). Youtube-Video (Halbkreis von neun Röhrentrommeln myel bul beim ikoce-Tanz in Lira, Norduganda, 2009 oder frĂŒher)
cite-note-4242. ↑ Peter Cooke: Fieldwork in Lango, Northern Uganda Feb – Mar 1997. In: African Music, Band 7, Nr. 4, 1999, S. 66–72, hier S. 67
cite-note-4343. ↑ Local Dance Group from Lango perform Abuda dance. Youtube-Video (Trommelspiel ab Minute 3:40 sichtbar)
cite-note-4444. ↑ A Lango Cultural Dance by St. Gracious Secondary School, Lira. Youtube-Video (MĂ€dchentanz in Lira)
cite-note-4545. ↑ Jos Gansemans, Barbara Schmidt-Wrenger: Musikgeschichte in Bildern. Band 1: Musikethnologie. Lieferung 9: Zentralafrika. Deutscher Verlag fĂŒr Musik, Leipzig 1986, S. 44–47
cite-note-4646. ↑ Timkehet Teffera: Kettledrums: The Case of the Ethiopian NĂ€garit. Insignia of Ancient Royal Power. In: MĂșsica em Contexto, Band 13, Nr. 2, 2020, S. 85–118, hier S. 97
cite-note-4747. ↑ Klaus Wachsmann, 1965, S. 7f
cite-note-4848. ↑ Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W. W. Norton & Company, New York 1940, S. 157f
cite-note-4949. ↑ Arthur Henry Fox Strangways: The Music of Hindostan. Clarendon Press, Oxford 1914, S. 77, Tafel 6; Textarchiv – Internet Archive
cite-note-5050. ↑ Abgebildet auch in: Klaus Wachsmann, 1965, S. 7, und: Reis Flora: Styles of the Úahnāī in Recent Decades: From naubat to gāyakÄ« ang. In: Yearbook for Traditional Music, Band 27, 1995, S. 52–75, hier S. 55
cite-note-5151. ↑ Malawi – Likhuba Dance Song with 9 Tuned Drums. Youtube-Tonaufzeichnung
cite-note-5252. ↑ Andrew Tracey: Mozambique. 3. Instruments and instrumental music. (ii) Membranophones. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-5353. ↑ Timothy Ntilosanje: Traditional dances of Malawi. In: Music in Africa, 29. Mai 2015
cite-note-tracey-nyasaland-5454. ↑ Southern and Central Malawi: Nyasaland 1950, '57, '58. Aufnahmen Hugh Tracey. Als CD veröffentlicht von African Library and Sound Archive, 2000 (SWP 013), Track 3 und 4; Track 3 als mp3
cite-note-5555. ↑ Wim van Zanten: The Equidistant Heptatonic Scale of the Asena in Malawi. In: African Music, Band 6, Nr. 1, 1980, S. 107–125, hier S. 110
cite-note-5656. ↑ Moya Aliya Malamusi: Samba Ng'oma eight – The drum chime of Mário Sabuneti. In: African Music: Journal of the International Library of African Music, Band 7, Nr. 1, 1991, S. 55–71, hier S. 57, 64. Samba ngoma bedeutet in Chichewa „bade! Trommel“. Samba ist der Imperativ von kusamba, „sich waschen“.
cite-note-5757. ↑ Ese. Zylindertrommelspiel. 1993. Staatliche Museen zu Berlin, Ethnologisches Museum (Abbildung)
cite-note-5858. ↑ Meki Nzewi, Israel Anyahuru, Tom Ohiaraumunna: Beyond Song Texts: The Lingual Fundamentals of African Drum Music. In: Research in African Literatures, Band 32, Nr. 2 (The Landscape of African Music), Sommer 2001, S. 90–104, hier S. 94f, 97
cite-note-5959. ↑ Meki Nzewi: Ese music: honours for the dead: status for the sponsor. In: African Music: Journal of the International Library of African Music, Band 6, Nr. 4, 1987, S. 90–107, hier S. 92
cite-note-6060. ↑ Meki Nzewi, Israel Anyahuru, Tom Ohiaraumunna, 2001, S. 95
cite-note-6161. ↑ Meki Nzewi: Letters to the Editor. In: African Music, Band 6, Nr. 1, 1980, S. 136f
cite-note-6262. ↑ Joshua Uzoigwe, Israel Anyahuru: Igbo Master Musician. In: The Black Perspective in Music, Band 14, Nr. 2, FrĂŒhjahr 1986, S. 126–142, hier S. 137, 142
cite-note-6363. ↑ Vgl. Jaap Kunst: The Origin of the Kemanak. In: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde, 116, Nr. 2, Leiden 1960, S. 263–269
cite-note-yampolsky-6464. ↑ Philip Yampolsky: Review der Doppel-LP (1984): Nordsumatra/Indonesien: Gondang Toba. Artur Simon (Aufnahmen und Begleittext). In: Ethnomusicology, Band 30, Nr. 1, Winter 1986, S. 150–152
cite-note-6565. ↑ R. Anderson Sutton: South-east Asia. 2. Instruments and ensembles. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-6666. ↑ Artur Simon: Instrumentalmusik der Toba- und Karo-Batak. Nordsumatra/Indonesien. Doppel-CD, Staatliche Museen zu Berlin, Museum fĂŒr Völkerkunde, 1999. (Aufnahmen 1976–1981, Erstveröffentlichung als LPs 1984) Begleitheft, S. 12
cite-note-6767. ↑ Taganing Drum. The Metropolitan Museum of Art
cite-note-6868. ↑ Artur Simon: Instrumentalmusik der Toba- und Karo-Batak. Nordsumatra/Indonesien. Begleitheft, S. 13
cite-note-6969. ↑ Posther Sihotang dkk – Gondang Somba-Somba. Youtube-Video (Ensemble gondang somba-somba und Stehtanz von Frauen)
cite-note-7070. ↑ Artur Simon: Instrumentalmusik der Toba- und Karo-Batak. Nordsumatra/Indonesien. Begleitheft, S. 29f
cite-note-7171. ↑ Mark Perlman: Indonesia. VI. Sumatra. 2. Selected musical cultures and regions. (i) Batak. (a) Toba. In: Grove Music Online, 2001
cite-note-7272. ↑ Gini Gorlinski: Garantung. In: Grove Music Online, 28. Mai 2015
cite-note-7373. ↑ Gordang Sambilan – Mandailing Gongs and Drums in Ulu Pungkut, North Sumatra, Pt. 2. Youtube-Video
cite-note-7474. ↑ Margaret J. Kartomi: On Concepts and Classifications of Musical Instruments. The University of Chicago Press, Chicago/London 1990, S. 223
cite-note-7575. ↑ Agastya Rama Listya: The Conceptualization and Sustainability of Rotenese Gong Music. (Dissertation) University of Otago, Dunedin (Neuseeland) 2018, S. 105